Juli: was reif ist und was gebacken wird
Reif im Juli: Späte Sauerkirschen. Daran richtet sich, was in diesem Monat auf das Blech kommt.
Die späten Sauerkirschen sind süßer und weicher als die im Juni – Zucker zurücknehmen und den Teig etwas fester führen, damit er den Saft hält.
Was im Juli reif wird
Späte Sauerkirschen, erste Beeren, Aprikosen. Der Juli ist der Monat der Aufläufe.
Was im Vorrat liegt
Hefezopf vom Vortag – der beste Ausgangsstoff für einen Kirschenmichel.
Worauf es in diesem Monat ankommt
Ein Kirschenmichel gelingt mit altbackenem Hefezopf besser als mit frischem Weißbrot: der Zopf ist süßer und fester, saugt die Eiermilch langsamer auf und zerfällt nicht zu Brei.
Beim Einkauf
Kirschen nicht waschen, bevor sie verarbeitet werden. Nasse Kirschen platzen beim Entsteinen und verlieren Saft.
Was jetzt in den Vorrat geht
Der Juli ist ein Monat des Zwischenlagers: Aprikosen und Beeren halten nicht, Zwetschgen sind noch nicht da. Was übrig bleibt, wird zu Kompott verkocht und kalt gestellt, nicht eingekocht – für die Vorratshaltung ist der Monat zu warm und die Frucht zu wasserreich.
Der Fehler, den dieser Monat einlädt
Frisches Weißbrot für den Kirschenmichel zu nehmen. Ein altbackener Hefezopf ist hier deutlich besser: süßer, fester, und er saugt die Eiermilch langsamer auf, sodass die Schichten sichtbar bleiben statt zu verlaufen.
Was dazu gehört
Ein Kirschenmichel ist süß genug; dazu gehört ungesüßte Sahne oder gar nichts. Beim Kaffee funktioniert hier ausnahmsweise Espresso, weil die Sauerkirsche genug Säure mitbringt, um dagegen zu stehen.
Mengen für diesen Monat
Ein Kirschenmichel für vier Personen braucht 500 g altbackenen Hefezopf, 500 g Sauerkirschen, vier Eier und 400 ml Milch. Er steht 45 Minuten bei 180 °C und ist fertig, wenn die Oberfläche gestockt und an den Rändern goldbraun ist. Aprikosen und Beeren lassen sich im selben Auflauf mischen, solange die Gesamtmenge stimmt. Was nicht hineinpasst, wird mit zwei Löffeln Zucker kalt angesetzt und dient am nächsten Tag als Kompott zu Dampfnudeln.
Was dieser Monat vorbereitet
Der Juli ist der Übergang von den Kirschen zu den Zwetschgen. Die letzten Sauerkirschen sind weicher und süßer als die vom Juni und brauchen deshalb weniger Zucker und mehr Säure. Gleichzeitig lohnt der Blick auf die Frühzwetschgen: sie kommen Anfang August, und wer Kuchen für den ganzen Monat plant, reserviert beim Obsthändler. Die Kirschkerne aus dem Juni und Juli werden getrocknet aufgehoben – in ein Leinensäckchen gefüllt sind sie das Kirschkernkissen, das in dieser Gegend zu jedem Haushalt gehört.
Danach backen
Passende Rezepte aus dem Archiv
4 Seiten der Sammlung arbeiten mit der Zutat, die im Juli im Mittelpunkt steht. Sie stehen unter ihren ursprünglichen Adressen.
Hutzelbrot mit getrockneten Birnen und Zwetschgen
Kirschenmichel: Auflauf mit Kirschen und Brötchen
Käsefondue: Rezepte und Käsemischungen
Saure Kutteln mit Rotweinsoße
Häufige Fragen
Was unterscheidet Kirschenmichel und Ofenschlupfer?
Das Gebäck und die Frucht. Der Michel arbeitet mit altbackenem Hefezopf und Sauerkirschen, der Schlupfer mit Weißbrot und Äpfeln. Die Eiermilch ist bei beiden dieselbe.
Wie viel Frucht verträgt der Auflauf?
Etwa 500 g auf 500 g Gebäck. Mehr, und die Masse wird wässrig; weniger, und der Auflauf schmeckt nach Eiermilch.
Warum sinkt die Frucht nach unten?
Weil sie schwerer ist als die Masse. Wer sie geschichtet haben will, verteilt sie lagenweise zwischen dem Gebäck statt sie unterzumischen.
Lässt sich der Auflauf mit Aprikosen machen?
Ja, aber sie brauchen weniger Zucker und eine kürzere Backzeit. Aprikosen werden schnell mehlig, wenn sie zu lange im Ofen stehen.
Woran erkennt man, dass der Auflauf durch ist?
An der Mitte: sie darf nicht mehr wackeln, wenn die Form leicht gerüttelt wird. Ein Holzspieß kommt feucht, aber nicht flüssig heraus.
