Kirschenmichel: Auflauf mit Kirschen und Brötchen
Kirschenmichel ist der Bruder des Ofenschlupfers: dieselbe Eiermilch, dasselbe altbackene Gebäck, nur Kirschen statt Äpfeln. Dieses Rezept arbeitet mit süßen Kirschen und Brötchen; wer Sauerkirschen und einen altbackenen Hefezopf hat, bekommt die kräftigere Variante.
11 Zutaten; 9 Arbeitsschritte.
Das Rezept gehört zur Gruppe Süße Mehlspeisen dieser Sammlung.

Zutaten
- 1 kg süße Kirschen
- 3 altbackene Brötchen
- 200 ml lauwarme Milch
- 2 Eier
- 50 g Zucker
- 2 TL Zimt
- 50 g gehackte Mandeln
- 1 Prise Salz
- 2 EL Butter
- 2 EL Puderzucker
- Butter für das Ausfetten der Form
Zubereitung
- Die Kirschen waschen, abtrocknen, entsteinen.
- Die Brötchen in feine Scheiben schneiden, mit der Milch übergießen und gut weichen lassen.
- Den Backofen auf 200°C vorheizen.
- Eine feuerfeste Form mit Butter ausfetten.
- Die Eier in Eigelbe und Eiweiße trennen.
- Die Eigelbe mit dem Zucker und dem Zimt verrühren und mit den Kirschen und den gehackten Mandeln unter die Brötchenmasse mischen.
- Die Eiweiße mit dem Salz zu steifen Schnee schlagen, diesen vorsichtig unter die Masse heben und in die feuerfeste Form füllen.
- Den Auflauf mit der Butter in Flöckchen belegen und auf mittlerer Schiene mit Ober / Unterhitze bei 200°C 40 - 50 Min. backen.
- Vor dem Servieren mit Puderzucker bestreuen.
Brötchen oder Hefezopf
Altbackene Brötchen ergeben den lockeren, gleichmäßigen Auflauf, den dieses Rezept meint. Ein Hefezopf vom Vortag ist die dichtere Variante: süßer und fester, er saugt die Eiermilch langsamer auf, sodass die Schichten nach dem Backen noch zu sehen sind. In beiden Fällen gilt: vom Vortag, nicht frisch - frisches Gebäck zerfällt in der Eiermilch zu Brei.
Süßkirschen brauchen Säure
Mit süßen Kirschen wird der Auflauf rund, aber flach; ein Esslöffel Zitronensaft über die Frucht stellt die Spannung her, die Sauerkirschen von selbst mitbringen. Süße Kirschen geben außerdem mehr Saft ab: ein Löffel Grieß oder Semmelbrösel unter der Frucht bindet ihn dort, wo er entsteht, statt ihn in die Masse laufen zu lassen. Ein Kilogramm Frucht auf drei Brötchen ist viel – genau das macht diesen Auflauf fruchtiger als einen Ofenschlupfer.
Form, Backzeit und was dazugehört
Ein Kilo Kirschen und drei Brötchen füllen eine Auflaufform von etwa 22 x 30 cm. Gebacken wird bei 180 °C rund 40 Minuten, bis die Oberfläche goldbraun ist und die Eiermilch in der Mitte gestockt hat. Als Nachtisch reicht das für vier, als Hauptgericht für zwei – in Schwaben ist der Michel ein Mittagessen, kein Dessert. Dazu gehört Vanillesauce, und zwar lauwarm: kalt über den heißen Auflauf gegossen zieht sie Haut, heiß auf heiß schmeckt man beides nicht mehr auseinander.
Häufige Fragen
Woran erkennt man, dass er durch ist?
Die Mitte darf nicht mehr wackeln, wenn die Form leicht gerüttelt wird. Ein Holzspieß kommt feucht, aber nicht flüssig heraus.
Warum sinkt die Frucht nach unten?
Weil sie schwerer ist als die Masse. Lagenweise zwischen das Gebäck schichten statt unterzumischen.
Gehen tiefgekühlte Kirschen?
Ja, hier schon: die Eiermilch nimmt das Schmelzwasser auf. Auf einem Hefeteigblech würde dasselbe Wasser im Teig landen.
Was passt dazu?
Ungesüßte Sahne. Beim Kaffee funktioniert hier ausnahmsweise Espresso, weil die Sauerkirsche genug Säure mitbringt, um dagegen zu stehen.
Wann ist Sauerkirschenzeit?
Zwei bis drei Wochen in der zweiten Junihälfte – das kürzeste Erntefenster des Backjahres. Wer einfriert, entsteint vorher: aufgetaute Kirschen mit Stein lassen sich kaum noch verarbeiten.
Wie viel Zucker braucht der Auflauf?
Etwa 60 g auf 500 g Gebäck, und der gehört in die Eiermilch, nicht auf die Frucht. Zucker auf den Kirschen zieht Wasser und schwemmt die Schichten.
Warum heißt er Michel?
„Michel“ steht in Süddeutschland für einen schweren, gestockten Auflauf aus altbackenem Gebäck. Die Frucht im Namen sagt, was hineinkommt: Kirschenmichel, Apfelmichel, Zwetschgenmichel.
